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Pfarrer
Martin Valeske widmet sich in seiner Freizeit seit
vergangenen Jahr der Forschungsarbeit rund um das
Andenkens an den am 29. Juni 1864 in Kohlberg geborenen
Komponisten und Musikpädagogen Professor Anton
Beer-Walbrunn. Unzählige Stunden hat der evangelische
Pfarrer schon in das Abschreiben der Autographe und in
das Durcharbeiten und das Erforschen der
handschriftlicher und anderer Dokumente investiert. Die
hauptsächlich dazu genutzte Quelle befindet sich in der
Münchner Stadtbibliothek, als Datenträger dienen meist
Mikrofilme der Autographe. „Dort freut man sich darüber,
dass sich endlich einmal jemand der Werke Beer-Walbrunns
annimmt“, beschreibt Valeske die gute Zusammenarbeit.
„Wir bleiben dran, die Mühe lohnt sich ganz gewiss, denn
es sind wirkliche Meisterwerke, tolle Stücke und eine
ganz großartige Musik, die es zu erhalten und zu beleben
gilt“, drückt er seine Begeisterung aus. Kammermusik,
Orchester-, Chor- und Orgelwerke, Opern und über 50
Lieder zählen zum Repertoire des Meisters, der eine
beträchtliche Anzahl von Musikwerken für fast alle
Musikgattungen geschrieben hat und durch dessen Schule
fast die komplette Musikergeneration der ersten drei
Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts ging, soweit sie in
München studierte. „Die Werke Beer-Walbrunns, der sich
selber als melodischen Modernen“ bezeichnete, sind
geprägt von einer genialen Kombination der Kontrapunktik
des frühen 18., der Homophonie des frühen 19. und der
Heterophonie des späten 19. und beginnenden 20.
Jahrhunderts. Ihr Kennzeichen ist ein bewundernswerter
kontrapunktischer und melodischer Einfallsreichtum, eine
meisterhafte Beherrschung der musikalischen Formen und
ein volkstümlicher, klassizistischer Grunddon“,
charakterisiert Valeske den Kompositionsstil des heute
zu Unrecht fast völlig in Vergessenheit geratenen
Meisters und fügt an, „In manchem ähnelt seine Musik der
Max Regers“. 500 Euro stellte die Marktgemeinde
Kohlberg im vergangen Jahr über ein Sonderkonto für die
Forschungsarbeit bereit. Diese Summe ist längst für
Urkunden, Scans und Fotokopien aufgebraucht. Im
bevorstehenden Urlaub will sich Pfarrer Valeske der
mühevollen Kleinarbeit des Notenschreibens mit einem
speziellen Computerprogramm noch intensiver widmen.
Der Bezirkstag der Oberpfalz unterstützte das Projekt
kürzlich mit einer Summe von 1000 Euro. „Ich bin
überzeugt, dass Geld ist hier gut angelegt und
entspricht unserem Ziel, die Leistung von
Kulturschaffenden aus der eigenen Heimat zu würdigen und
in ihrer Popularität zu steigern“, fasste
Stellvertretender Bezirkstagspräsident Lothar Höher bei
der Übergabe der Geldspende im Rathaus zusammen. Höher,
zugleich Geschäftsführer des regionalen Fernsehsenders
OTV, war gespannt auf die musikalische Kostprobe und
konnte zusammen mit Bürgermeister Rudolf Götz und
Gemeinderat Walter Fischer, der sich ebenfalls seit
vergangenem Jahr besonders der Ahnenforschung
Beer-Walbrunns annimmt, einige von Martin Valeske auf
seinem Notebook gespeicherte Musikstücke anhören. Der
Bezirkstags-Vize aus Weiden stellte ergänzend den
Zusammenhang zu Max Reger her. Reger war Zeitgenosse von
Beer-Walbrunn, ihre Lebenswege kreuzten sich mehrjährig
und beide waren befreundet. „Möge es gelingen, dass das
Lebenswerk des Komponisten Beachtung findet und die
Musik in das Leben der Menschen eingebaut wird“, äußerte
Höher als Wunsch für das gute Gelingen der Vorhaben.
Mit einer Veranstaltungsreihe will man die Werke einen
bereiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. 2011 ist
eine Sommerserenade im Evangelischen Vereinshaus in
Weiden geplant. Im Advent nächsten Jahres eine
Präsentation von Orgelwerken und geistlicher Chormusik
in der Weidener Michaelskirche. „Natürlich sollen auch
Aufführungen in Kohlberg stattfinden“, so das Anliegen
von Kohlbergs Bürgermeister Götz. Einen noch größeren
öffentlichen Rahmen strebt man für 2014, zum 150.
Geburtstag des Komponisten, an. Auch hier ist eine
Kooperation mit der Stadt Weiden und der Marktgemeinde
angestrebt, Weidens Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz und
Kirchenmusikdirektor Hanns-Friedrich Kaiser seien in die
Überlegungen und Grobplanungen bereits einbezogen.
Steckbrief
Professor Anton Beer-Walbrunn
erblickte am 29. Juni 1864 im Haus Nummer 21 a, heute
Weidner Straße 2 das Licht der Welt und verstarb am 22.
März 1929. Sein Vater Anton Beer (Jahrgang 1825) war von
1855 bis 1866 als katholischer Lehrer der Marktgemeinde
und als Kantor an der damals noch simultanen
Nikolauskirche tätig. Der Name der Mutter (Jahrgang
1828) lautete Margareta, ihr Geburtsname Walbrunn. Der
musikalische Eindruck, den, die früh verstarb, bei ihrem
Sohn hinterlassen hatte, führte dazu, dass sich dieser
im Jahre 1904 im Gedenken an seine Mutter den
Doppelnamen Beer-Walbrunn gab. Im Anschluss an die Zeit
in Kohlberg zog die Familie ins benachbarte Mantel um,
später ließ man sich in Neukirchen-Balbini nieder. In
Mantel erhielt der erst fünfjährige Anton Klavier- und
Orgelunterricht beim Vater, so dass er schon frühzeitig
den Kirchendienst in der Gemeinde versehen konnte. Seine
Ausbildung war auf das Lehramt zugeschnitten und er
besuchte das Seminar in Amberg. Auf der Grundlage einer
vorzüglich bestandenen Abschlussprüfung und der
Fürsprache des Eichstätter Domkapellmeisters Wilhelm
Widmann durfte die Ausbildung um weitere drei Jahre mit
einem Studium an der Münchner Akademie der Tonkunst bei
Joseph Rheinberger erweitert werden. Es folgte eine
längere Zeit der freischöpferischen Arbeit. Dabei durfte
sich der Komponist der nachdrücklichen Förderung durch
Mäzen Adolf Graf von Schack erfreuen. Während dieser
schöpferischen Phase entstanden Orgel-, Klavier-,
Kammer- und Orchestermusikstücke. Für die Zeit des
Komponierens galt für Beer-Walbrunn nach überlieferten
Kommentaren der Grundsatz, „Der Prophet gilt nichts im
eigenen Lande“. Als Komponist, der zwar in romantischer
Tradition wurzelte, sich aber auch fortschrittlichen
Tendenzen um dem vorherrschenden Zeitgeist keineswegs
verweigerte, hat man ihn in seiner bayerischen Heimat
allenfalls reserviert zur Kenntnis genommen.
Beer-Walbrunn komponierte unter anderem Lieder und
Chormusikstücke, beispielsweise die
"Shakespeare-Sonette" oder auch mehrere Opern mit den
Titeln "Die Sühne", "Don Quijote", "Das Ungeheuer" und
"Der Sturm". Viele seiner Werke erhielten nie die
Würdigung, die er sich erhofft hatte. Dies ist
verschiedenen zeitgenössischen Quellen zu entnehmen.
Weit
mehr Renommee erntete Beer-Walbrunn in seiner
Eigenschaft als Musikpädagoge. Kurz nach der
Jahrhundertwende, im Jahr 1901, wurde er als Lehrer für
Komposition, Kontrapunkt, Harmonielehre und Klavier an
die Münchener Akademie für Tonkunst berufen. Die
Ernennung zum Professor fand 1911 statt. Mit
sprichwörtlicher Gewissenhaftigkeit erfüllte er seine
Aufgabe, die ihm gerade in jenen bewegten Zeiten
tiefgreifender stilistischer Wandlungsprozesse ein
Höchstmaß an künstlerischer, geistiger und menschlicher
Überlegenheit abforderte.
Zu seinen Schülern, die nachhaltig
von seinem Wirken profitierten, zählten berühmte
Komponisten wie Wilhelm Furtwängler, Fritz Büchtger oder
Carl Orff. Orff sagte beispielsweise über Anton
Beer-Walbrunn: „Er war ein sehr bemühter und ungemein
liebenswürdiger Lehrer, eine Spitzweg-Figur´´ mit viel
Selbstironie, ein Meister alter Schule mit großem Können
und Wissen“. Weitere prominente Schüler waren Alfred
Einstein, Eugen Schmitz oder Heinz Pauels. Am 22. März
1929, kurz vor seiner Pensionierung, schloss der
gebürtige Kohlberger Anton Beer-Walbrunn als
hochangesehener Musikpädagoge und kreativer Komponist in
München die Augen, verbittert über die geringe Beachtung
seiner dramatischen Werke und ohne die überregionale
Berühmtheit zu erlangen, die er sich zeitlebens erhofft
hatte. Die Stadt München hat das Andenken bewahrt in dem
es eine Straße in Obermenzing nach ihm benannte. Iin
seiner oberpfälzer Heimat ist der Künstler und Lehrer
eher unbekannt geblieben.
Bilder und
Texte: Rudi Walberer |